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Die ultimative Fahrt durch Namibia

Mit dem Auto durch Namibia

Land der Leere

Fantastische Fernsichten und eine sich ständig verändernde Landschaft. Zebras auf der Straße und Klippschliefer auf dem Campingplatz. Und dann diese Sonnenuntergänge! Eine Autofahrt durch Namibia ist schlicht und ergreifend einzigartig.

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Text & Fotografie

Iris van den Broek

„Man hat Namibia erst richtig erlebt, wenn man mindestens einen platten Reifen gehabt hat und
alles von oben bis unten mit Staub bedeckt ist“, sagt der Betreiber des Campingplatzes. Es ist sechs Uhr abends, die untergehende Sonne taucht die Landschaft in ein sattes Rot und ich befinde mich mitten in der Kalahari-Wüste.

„Ich habe vollstes Vertrauen in mein Auto“, sage ich, während ich anerkennend in Richtung meines jetzt noch strahlend weißen Nissans 4x4 mit Dachzelt nicke. Vor ein paar Stunden habe ich ihn abgeholt bei Drive Namibia, einer kleinen Autovermietung in Windhuk. Ich liebe die persönliche Aufmerksamkeit, die einem bei lokalen Unternehmern geschenkt wird. Die Inhaberin Jothea hat mir jedes Detail des Autos gezeigt und auch vorgeführt, wie einfach das Dachzelt zu handhaben ist. Und in der Tat, innerhalb von fünf Minuten habe ich das Ganze aufgeklappt und blicke zufrieden auf das, was für die nächsten drei Wochen meine Unterkunft sein wird.

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Kolmanskuppe

Geisterstadt in der Wüste

Von der Kalahari-Wüste aus fahre ich zum Örtchen Aus. Von hier werde ich am nächsten Tag zur legendären Siedlung Kolmanskuppe aufbrechen. Von 1901 bis 1930 war dies eine blühende deutsche Diamantsucher-Stadt, heute ist es eine Geisterstadt, die langsam von der Wüste verschlungen wird. Ganz allein spaziere ich um sieben Uhr morgens durch das, was einmal die Hauptstraße war. Man kann sich kaum vorstellen, dass diese Stadt vor noch nicht einmal 100 Jahren zu den reichsten Gemeinden der Welt gehörte. Komplett mit Schule, Krankenhaus, Kegelbahn und Eisfabrik. In der Blütezeit von Kolmanskuppe ließen sich die Diamanten einfach aus dem Sand auflesen. Jetzt liegen hier nur ein paar verrostete Lampen herum und findet man hin und wieder einen Türknauf. Ich klettere durch Fenster und schlüpfe durch sandblockierte Türen. In jedem Zimmer entdecke ich neue Farben und bizarre Tapetenmuster. Ein Fotograf hätte hier seine helle Freude.

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„In der Blütezeit von Kolmanskuppe ließen sich die Diamanten einfach aus dem Sand auflesen.“ 

Von Aus nach Sesriem

Abenteuerliche Autofahrt

Und dann ist er da, der unvermeidliche Augenblick: der Asphalt hört auf! Ab jetzt geht's also weiter über Schotterstraßen, Sand und Steine, durch Staub und Schlaglöcher. Hin und wieder begegnet mir eine verirrte Oryxantilope und ein einsamer Springbock. Autofahren in Namibia kann richtig harte Arbeit sein, aber das macht das Ganze gerade spannend. Die wunderschöne C27 bringt mich von Aus nach Sesriem, wo die Hauptattraktion des Landes liegt: die Sanddünen der Namib-Wüste, besser bekannt als Sossusvlei. Unterwegs spüre ich die unendliche Leere dieses Landes. Während meiner fünfstündigen Fahrt begegnen mir sage und schreibe drei Autos. Dafür sehe ich eine Herde wilder Zebras durch die Landschaft ziehen. Ich halte an und während ich die Tiere beobachte, lausche ich der Stille. Rein gar nichts hört man hier, nur den Wind und das Schnauben der Tiere.

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Sossusvlei

Skelettbäume und hoch aufragende Sanddünen

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Ich zelte auf dem Sesriem-Campingplatz innerhalb des Parks, was bedeutet, dass ich schon eine Stunde vor Sonnenaufgang in Richtung Dünen fahren kann. Als ich um 05:15 Uhr in mein Auto steige, ist es noch finstere Nacht, doch schon bald zeigt sich das erste Licht. Eine Dreiviertelstunde später stehe ich vor Düne 45, dem perfekten Ort, den Sonnenaufgang zu bewundern. Allerdings muss ich zuvor noch 300 Höhenmeter überwinden. Den scharfen Kamm einer Sanddüne zu erklimmen ist nicht nur schwierig, sondern auch irgendwie seltsam. Doch die Belohnung ist großartig: Welch eine phänomenale Aussicht!

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„Im Deadvlei herumzuspazieren fühlt sich an, als sei man in einem Gemälde von Salvador Dalí gelandet.“ 

Ein weiterer Vorteil dieser frühen Stunde ist, dass die Sonne die Wüste noch nicht in einen glühenden Ofen verwandelt hat. Ich fahre weiter zum Deadvlei, einer Salzpfanne mit 900 Jahre alten Bäumen. Wie stattliche Fossilien stehen sie verstreut herum. Die Zweige werfen gespenstische Schatten auf den knochentrockenen Boden dieser von Sanddünen umschlossenen Pfanne. Hier herumzuspazieren fühlt sich an, als sei man in einem Gemälde von Salvador Dalí gelandet. 

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Pelican Point

Auf einer Halbinsel übernachten mit 50.000 Robben

Am nächsten Tag fahre ich zur Küste, wo ich mein Zelt für zwei Nächte gegen ein ganz besonderes Hotel eintausche: die Pelican Point Lodge. Dieses Luxushotel liegt neben einem alten Leuchtturm auf einer verlassenen Halbinsel in der Nähe des Städtchens Walvis Bay. Das Wasser des Atlantiks auf der einen, die Walvis-Bucht auf der anderen Seite. Das Betörende dieses Ortes ist die unermessliche Einsamkeit. Um hierher zu gelangen, müssen erst 20 km durch den Sand zurückgelegt werden. Aber dann! Der Inhaber der Lodge verwöhnt seine Gäste mit Entschleunigung vom Feinsten, denn hier kann man gar nichts anderes tun, als sich mit Haut und Haaren der Umgebung hingeben. Ich mache einen Spaziergang durch die endlosen Sandebenen. Die Wellen überschlagen sich tosend in der Brandung und Tausende von Robben liegen am Strand und spielen im Wasser. Regelmäßig rennen Schakale vorbei. Faszinierend. Und dann habe ich die unzähligen Flamingos noch nicht einmal erwähnt. Dieses Gebiet ist etwas ganz Besonderes!

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Spitzkoppe

Eins mit der Natur

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Weitaus einfacher und schlichter – aber keinesfalls weniger spektakulär – ist meine Übernachtung an der Spitzkuppe. Ein verstecktes Juwel, an dem viele unbewusst vorbeifahren. Schade, denn hier befindet sich einer der schönsten Campingplätze Namibias. Verstreut zwischen haushohen roten Felsen liegen einige Plätze, an denen man sein Zelt aufschlagen kann. Die Nachbarn sind zig Meter entfernt, es gibt weder Strom noch Wasser, das Telefon findet kein Netz und Internet gibt's auch nicht. Dafür kommen Dutzende Klippschliefer zur Begrüßung vorbei und sehen neugierig zu, wie ich in meiner improvisierten Felsenküche mein Essen zubereite. Die schönsten Reiseerlebnisse schleudern einen kilometerweit aus der vertrauten Komfortzone.

„Die schönsten Reiseerlebnisse schleudern einen kilometerweit aus der vertrauten Komfortzone.“ 

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Etosha-Nationalpark

Wilde Tierwelt

Durch das weitläufige Damaraland fahre ich zu Namibias Wildpark schlechthin: Etosha. Der Park ist riesig; in drei Tagen reise ich vom ruhigeren westlichen Teil zur Ostseite des Parks. Die überwältigende Vielfalt der Tierwelt verschlägt mir den Atem. Natürlich stehen die Big Five ganz oben auf meiner Liste. Nun ja, hier werden es maximal vier sein, denn in Etosha sieht man nur Nashörner, Löwen, Elefanten und Leoparden – die Nummer fünf, der Büffel, fehlt hier.

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Als ich um sieben Uhr morgens am Sonderkop-Wasserloch vorbeifahre, sehe ich Hunderte Tiere. Zebras, Oryxantilopen, Giraffen, Springböcke und Strauße kommen im frühen Morgenlicht hierher, um sich am Wasser zu laben. Plötzlich erscheint am Horizont eine Gruppe von Elefanten. Langsam trotten die Tiere durch die Staubwolken in Richtung Wasser, während alle anderen Tiere flugs das Weite suchen. Es mutet an wie eine Szene aus der BBC-Reihe Planet Erde. Nur die Stimme von Norbert Langer fehlt. Später sehe ich noch zwei Löwen, die sich im gelben Savannengras verstecken. Am Abend zeigen sich vor allem die schwarzen Nashörner. Aber den Leoparden ... den habe ich nicht zu Gesicht bekommen!

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Caprivizipfel

Nilpferde vor der Tür

Und dann, nach der ganzen Dürre, kommt endlich Wasser. Eine lange Fahrt von sechs Stunden führt mich zum Caprivizipfel, einem schmalen Landstreifen zwischen Angola und Botswana, wo der mächtige Fluss Okavango sich einen Weg bahnt. Schon komisch, nach der Wüste plötzlich wieder grüne Bäume und Blumen zu sehen. Und Menschen! Hier zeigt sich Namibia von seiner ländlichen Seite. Spielende Kinder rennen an den Straßen entlang, Frauen schleppen Wassereimer auf den Köpfen und unzählige Shebeens laden zum Verweilen ein. In diesen einfachen Bars spielt sich das gesellschaftliche Leben ab. Ich zelte am Rande des Flusses mit Blick auf Angola. Im nahe gelegenen Bwabwata-Nationalpark sehe ich Büffel, toll! Nachts stören brüllende Flusspferde und trompetende Elefanten die Stille. Dieses Stück Namibia ist völlig anders als der Rest des Landes.

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Roadtrip Namibia 25 End

Sandsturm der Erinnerungen

Von den vielen Eindrücken schwirrt mir der Kopf, als ich über das wundervolle Waterberg-Plateau zurück nach Windhuk reise. Namibia hat mein Herz erobert. Und mein Haar, meine Ohren, meinen Koffer und meine Schuhe. Kaum zu glauben, wie staubig alles wird! Der Mann in der Kalahari-Wüste hatte Recht. Doch der platte Reifen ist mir zum Glück erspart geblieben. Und der Leopard? Der ist ein Grund zum Wiederkommen.

KLM

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November 2017

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