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Cowboystiefel & Countrymusik

Nashville: Music City

Mitreißende Countrymusik, Hot Chicken und Johnny Cash … die iFly-Reporterin Iris van den Broek machte einen wortwörtlich mit viel Soul gewürzten Roadtrip auf dem Music Highway, der I-40 von Memphis nach Nashville. In dieser Ausgabe der zweite Teil über Nashville, aka Music City.

Rein ins Musikabenteuer!
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Iris Profile

Text & Fotografie
Iris van den Broek

Grundsätzlich hat die Countrymusik ihren Ursprung in Nashville, während der Rock 'n' Roll in Memphis geboren wurde. Natürlich ist es in Wirklichkeit nicht ganz so einfach, aber beide Städte spielen eine ungeheuer wichtige Rolle bei der Entwicklung von Blues, Soul, Rock 'n' Roll, Jazz und Musik auf der ganzen Welt im Allgemeinen. Die Interstate 40, auch bekannt als der Music Highway, verbindet diese beiden Städte. Eine Reise mit viel Musik, Essen und Geschichte.

Teil 1: Memphis

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Die Ranch von Loretta Lynn

Jetzt, wo ich den Blues und den Soul von Memphis hinter mir gelassen habe, ist es Zeit für Countrymusik. Die gigantische Ranch der Countrysängerin Loretta Lynn in Hurricane Mills ist die perfekte Einführung. Lynn ist immer noch einer der größten Countrystars in den USA. Ich muss gestehen, dass ich als Europäerin noch nie von ihr gehört hatte, aber in Amerika ist sie eine lebende Legende. In den 1960er-Jahren gelang Loretta Lynn der Durchbruch und danach hatte sie unzählige Hits. Die exzentrische Dame lebte auf dieser Ranch in einem wunderschönen Plantagen-Landhaus, aber mit mittlerweile 87 Jahren wohnt sie heute in Nashville. Ihr ehemaliger Wohnsitz ist für Besucher zugänglich, genau wie die diversen Museen auf dem Anwesen, die bestückt sind mit ihren extravaganten Kleidern, Schallplatten und anderen Kuriositäten.

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Übernachten auf dem Land

Man kann auf der Ranch auf einem der Campingplätze übernachten, doch leider ist gerade alles ausgebucht. Aber so schlimm ist das nun auch wieder nicht, denn jetzt übernachte ich etwa zwanzig Minuten entfernt in einer süßen Hütte von Rock 'N Refuge. Diese Oase liegt mitten auf dem Land in Tennessee. Das einzigartige B&B hat keine Standardzimmer, sondern verstreut auf dem Anwesen liegende Unterkünfte wie ein Hobbit Hole, ein fantastisches Baumhaus und eine romantische Honeymoon Cabin. Eine Übernachtung an diesem Ort ist extrem instagramtauglich.

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    Eine Stadt von Weltruf

    Am nächsten Tag fahre ich nach Nashville. Music City, so Nashvilles Spitzname, ist die zweitgrößte Musikstadt in Tennessee. Es heißt, Nashville hätte mehr Songwriter und Musiker pro Einwohner, als irgendein anderer Ort auf der Welt. Hier sind die Kellner Sänger und der Uber-Fahrer spielt abends in einer Band. Sie alle hoffen auf den großen Durchbruch. Wenn ich so darüber nachdenke, ist Nashville eigentlich das Hollywood der Musikindustrie. Für eine nur mittelgroße Stadt hat Nashville einen Ruf in XXXL-Größe.

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    Tempel der Countrymusik

    Der heilige Gral von Nashville ist die Grand Ole Opry. Sobald man in die Stadt hineinfährt, verkünden die Schilder am Straßenrand: „Nashville, Music City. Home of the Grand Ole Opry“. Jeder, der in Sachen Country etwas geleistet hat, ist mindestens einmal in diesem beeindruckenden Komplex aufgetreten. Die Grand Ole Opry ist eine wöchentliche Radiosendung mit Countrymusik, die schon seit 1925 landesweit übertragen wird.

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    Egal, welchen Countrystar man nimmt, sie alle erzählen davon, wie sie als Kinder vor dem Radio gesessen und ihre großen Vorbilder in der Grand Ole Opry Show gehört haben. Einst fand die Show im immer noch berühmten Ryman Auditorium in der Innenstadt statt, aber seit 1974 ist die Opry im Grand Ole Opry House beheimatet. Das Schöne ist, dass die Radiosendung immer noch läuft und man der Sendung im beeindruckenden Auditorium sogar beiwohnen kann. Die Stars treten auf und zwischendurch werden die Werbespots live in ein Mikrofon gesprochen. Keine modernen Jingles oder irgendwelcher Studio-Schnickschnack, sondern ganz einfach, wie früher.0

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      Honky Tonk Highway

      Montagabende sind in der Regel ziemlich langweilig. Aber nicht in Nashville. Hier merkt man kaum einen Unterschied zwischen einem Samstag- und einem Montagabend. Mehr noch, es gibt sogar kaum einen Unterschied zwischen Montagmorgen und Montagabend – außer dass die Sonne untergegangen ist. Nashville ist Musik: 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Die Honky Tonks am Broadway, der auch als Honky Tonk Highway bezeichnet wird, öffnen um elf Uhr morgens und bis in die frühen Morgenstunden geht es rund. Laut der Website des Fremdenverkehrsamtes von Nashville ist ein Honky Tonk eine Lokalität mit mindestens einer Bühne, kalten Getränken und einer Party, die den ganzen Tag anhält – und das jeden Tag. Genauso ist es. Während die Nacht hereinbricht, spaziere ich über den extravaganten Broadway. Er ist laut und präsent, bunt und vielseitig und okay, auch leicht hysterisch.

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      Viele Musikbars haben ihre Bühne am Fenster aufgebaut. Und weil es in Nashville gerade schwül und warm ist, sind all diese Fenster offen. Somit überrollt mich eine gewaltige Kakophonie an Musik und ein Spaziergang über den Broadway fühlt sich an wie ein echtes Konzert. In jedem Fenster entdecke ich eine andere Band und ein anderes Musikgenre. Denn hier wird schon lange nicht mehr nur Countrymusik gespielt, obwohl diese immer noch den Ton angibt.

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      Gemütliches Boutique-Hotel

      Am nächsten Tag wache ich in meinem schönen Boutique-Hotel auf, The Germantown Inn. Das charmante Hotel befindet sich in einem Gebäude aus dem Jahr 1845 und liegt im ruhigen und malerischen Germantown, etwas außerhalb des Stadtzentrums. Es gibt nur zehn Zimmer, die alle nach amerikanischen Präsidenten benannt sind, und die Atmosphäre ist entspannt und wunderbar häuslich. Hier kann ich mich von der Hektik Nashvilles erholen, bin aber schon nach einem fünfzehnminütigen Fußmarsch mitten in Downtown. Und angesichts der enorm hohen Parkkosten im Zentrum ist das ein großer Vorteil.

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        Frühstück bei Biscuit Love

        Ein gutes Frühstück ist unerlässlich in einer Stadt, in der man schon um elf Uhr morgens mit dem Barhopping loslegen kann. Und obwohl mein Hotel ein ausgezeichnetes erstes Mahl am Morgen bietet, wurde mir gesagt, dass ich für ein klassisches Southern Style Frühstück mit modernem Twist ins Biscuit Love im trendigen Gulch District gehen müsse. Biscuits sind ein wesentlicher Bestandteil des Frühstücks im Süden der USA. Diese luftigen Brötchen können süß oder herzhaft belegt werden. Ich wähle ein Biscuit mit Zitronenmascarpone und Beerenkompott und Bonuts, frittierter Teig, der in Zucker getaucht wird. So gestärkt halte ich es ein Weilchen aus.

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          Man in Black

          Zurück zum Broadway, denn in einer Seitenstraße liegt das Johnny-Cash-Museum. Obwohl Johnny Cash nicht in Nashville geboren wurde (sondern im nahegelegenen Hendersonville) und nie hier gelebt hat, hat er viel für die Stadt bedeutet. The Man in Black ist der vielleicht berühmteste Countrymusiker der Welt. Dank seines Erfolgs stieg die Nashville-Niederlassung des Plattenlabels Columbia Records zu großen Höhen auf, entstand eine wachsende Community von Songwritern und wurde Nashville im ganzen Land bekannt als Music City.

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          Selbstverständlich hat auch Cash einen Draht zur Opry. 1956 trat er erstmals bei der Radiosendung im Ryman Auditorium auf, wo er später seine eigene Sendung mit dem Titel The Johnny Cash Show bekam. In dem kleinen, aber feinen Museum wird sein Leben auf intime Weise zusammengefasst.

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            Musikalische Wandmalereien

            Musik und Country sind in Nashville allgegenwärtig. Abgesehen von den unzähligen Läden mit Cowboystiefeln und -hüten – das ultimative Nashville-Souvenir – begegnen mir in der Stadt überall fantastische Wandmalereien mit Musikern, Gitarren und Liebeserklärungen an Nashville.

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            Im Street-Art-Gemälde des Legends Corner wurden die Countrygrößen Loretta Lynn, Johnny Cash, Dolly Parton und Taylor Swift brüderlich vereint und zusammen mit einigen anderen Countrystars abgebildet, die mir zwar weniger bekannt sind, aber die ein echter Countryfan wahrscheinlich problemlos identifizieren kann. Im angesagten Stadtteil 12th South finde ich das beliebte Wandbild I believe in Nashville und in der Jefferson Street ein wundervolles Bild einer Gruppe von Musikern.

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              Bluegrass im Station Inn

              An diesem Abend gönne ich mir einen echten Südstaaten-Klassiker: Hot Chicken. In Nashville geht man für diese Köstlichkeit ins Hattie B's. Obwohl es sich dabei nur um ein Fast-Food-Restaurant handelt, ist das frittierte Hühnerfleisch in der Tat ein unglaublicher Gaumenschmaus. Wie scharf es sein soll, bleibt jedem selbst überlassen; die Bandbreite reicht von Mild bis Damn Hot! und sogar Shut the cluck up!!! Burn notice. Ich gehe auf Nummer sicher und nehme Mild. Als Dessert gönne ich mir einen Banana Pudding, ebenfalls ein klassisches Gericht aus den Südstaaten.

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              Mit vollem Magen spaziere ich zum Station Inn, meinem letzten Stopp in Nashville. In diesem intimen Musikzimmer treten jeden Abend Bluegrass-Musiker auf. Die Künstler stehen dabei nicht immer auf der Bühne, sondern mischen sich oft unters Publikum. Zum Beispiel beim wöchentlichen Bluegrass Jam, den ich besuche. In ungezwungener Atmosphäre bilden Musiker aus der Region einen Kreis und musizieren zusammen. Manchmal öffnet sich die Hintertür und ein neuer Banjo- oder Gitarrenspieler stößt dazu. Bluegrass ist eine bestimmte Musikrichtung. Es ist eigentlich eine Mischung aus allen möglichen Elementen anderer Musikstile, wobei Instrumente wie Banjos, Mandolinen, Geigen, Gitarren und Kontrabässe dominieren.

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              Das Interieur des Station Inn ist schlicht. Es gibt keine richtige Raumaufteilung und ich sitze auf einem etwas klapprigen Stuhl an einer Reihe von zusammengeschobenen Tischen. Musik, das ist es, worum es hier geht. Dies ist Nashville vom Feinsten. Für mich der perfekte Abschluss einer wunderbaren Reise.

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