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Eine Welt voller Wasser

Tief im chinesischen Jangtsedelta liegen Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben ist. Es sind Wasserdörfer, umgeben von Flüssen, Seen und Kanälen. Sie sind nur zwei Stunden von Schanghai entfernt, entführen die Besucher jedoch in eine völlig andere Welt. iFly-Reporterin Iris reiste durch diese einzigartige Region Chinas.

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Text und Fotografie
Iris van den Broek

Eine Reise durch chinesische Gärten und Wasserdörfer

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„Ist das hier Wuzhen?“ tippe ich in meine Übersetzungs-App. Ein für mich unleserlicher Brei an chinesischen Schriftzeichen erscheint, aber mein Taxifahrer versteht es und nickt. Als ich aus dem Taxi aussteige und zusehe, wie es wegfährt, realisiere ich, dass ich ab jetzt ganz auf mich allein gestellt bin. Heute Morgen habe ich Schanghai verlassen – nur zwei Stunden von hier entfernt, aber plötzlich sehr weit weg. Denn hier in Wuzhen sieht die Welt komplett anders aus.

Wuzhen ist eines der acht klassischen Wasserdörfer im Jangtsedelta. Die Chinesen wissen, wie man diese besonderen Dörfer findet und kommen in Scharen. Westliche Touristen hingegen sieht man hier kaum. Mein Überlebenspaket besteht aus einer gemieteten mobilen WiFi-Box (am Flughafen abgeholt) und einer Übersetzungs-App. Für diejenigen, die kein Mandarin sprechen, ist eine Reise in diese Wasserdörfer relativ abenteuerlich und daher empfiehlt es sich, gut vorbereitet an den Start zu gehen.

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Handwerklich und authentisch

Mein Hotel liegt genau zwischen dem Osten und dem Westen von Wuzhen. Diese beiden höchst reizvollen Gegenden haben jeweils einen separaten Eingang, wo man eine Eintrittskarte kaufen muss. Der östliche Teil ist der authentischste. Hier werden noch mehrere Handwerksberufe ausgeübt.

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Ich sehe mir die Sanbai-Destillerie an, in der täglich etwa 200 Liter San Baijiu (Reiswein) hergestellt werden.

Wuzhen ist auch bekannt für die Herstellung von blauen Stoffen. Überall im Ort flattern meterlange blaue Tücher. Das Färben erfolgt hier noch auf traditionelle Weise.

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Märchenhafter Westen

Der Westen von Wuzhen ist größer und meiner Meinung nach schöner. Es ist hier ziemlich voll mit großen Gruppen chinesischer Besucher, aber das tut der Schönheit keinen Abbruch. Xizha ist die attraktive Hauptstraße entlang des Kanals und voller Geschäfte und Restaurants. Ich koste Reiskekse und trinke eine Tasse Tee in einem der Teepavillons am Wasser.

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Bei Einbruch der Dämmerung gehen überall die Laternen an und die Plätze werden von bunten Lampions beleuchtet. Aus den Lokalen klingt klassische Musik, Gondeln fahren vorbei und in den Bäumen glitzern Lichtpunkte … kurzum, aus West-Wuzhen wird am Abend ein regelrechtes Märchen. 

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1400 Jahre Geschichte in Nanxun

Am nächsten Tag fahre ich weiter nach Nanxun. Dieses Wasserdorf liegt nördlich von Wuzhen und die Taxifahrt dorthin dauert nur eine halbe Stunde. Nanxun wird viel seltener besucht und ist daher immer noch so etwas wie ein kleiner Geheimtipp. Mit seinen zahlreichen saftigen Trauerweiden macht Nanxun sofort einen viel grüneren Eindruck. Der Ort ist bereits 1400 Jahre alt und hat im 12. Jahrhundert durch den Seidenhandel Reichtümer angehäuft. Mein Hotel liegt mitten im historischen Teil und mein Dachfenster mit Klappläden gewährt einen Blick auf den Hauptkanal und eine Mauer mit Dutzenden von chinesischen Laternen. Im Vergleich zu Wuzhen ist es hier wunderbar ruhig.

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Auf dem Wasser durchs Dorf

Als ich am Kai entlang laufe, winkt mir ein Bootsmann zu. Er deutet auf sein Boot: ob ich mitfahren will. Na klar, schließlich betrachtet man ein Wasserdorf am besten vom Wasser aus. In der Gondel schippere ich durch die von Weiden gesäumten Kanäle an Häusern vorbei, die einst wohlhabenden Seidenhändlern gehörten.

Ich steige am Little Lotus Garden aus, einem der Highlights von Nanxun. Der riesige Garten war Privatbesitz von Liu Yong, dem einst reichsten Einwohner von Nanxun, und als Ort der Ruhe und Besinnung gedacht. Im Teepavillon blicke ich über den riesigen Teich voller Seerosen … Zen vom Feinsten!

Die Baijian-Lou-Häuser

Der schönste Teil von Nanxun – und etwas abseits der ausgetretenen Pfade – sind die 100 Baijian-Lou-Häuser. Selbst chinesische Touristen sieht man hier nicht mehr, ich bin nur noch mit Einheimischen zusammen, die ihre Wäsche waschen, am Wasser sitzen und malen oder sich einfach ein Nickerchen gönnen. Hier hat sich in 1400 Jahren wenig verändert. Als ich unter den Arkaden spaziere, höre ich lautes Rufen: „Ni hao! Ni hao!“ Ich sehe mich um, aber da ist niemand. Dann fällt mein Auge auf einen Käfig über mir. Der Vogel darin schaut mich frech an und ruft: „Hello!“

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Da ich seit zwei Tagen niemanden getroffen habe, der Englisch spricht, ist es urkomisch, einem Vogel zu begegnen, der Laute in dieser Sprache ausstößt. „Bye bye!“ ruft er noch, als ich weitergehe. 

Bei Einbruch der Dunkelheit leuchten gegenüber meinem Hotel Dutzende von chinesischen Laternen auf – wunderschön! Ich genieße alles noch ein Weilchen, denn morgen fahre ich mit dem Bus zu meiner letzten Station: Suzhou. 

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Die klassischen Gärten von Suzhou

„Oben ist der Himmel, unten sind Suzhou und Hangzhou“, lautet ein bekanntes chinesisches Sprichwort. Mein erster Eindruck? Nicht unbedingt himmlisch. Nach den ruhigen Wasserdörfern muss ich mich an Suzhou mit den vielen Hochhäusern und dem regen Verkehr erst einmal gewöhnen. Mit „nur“ 1,6 Millionen Einwohnern ist Suzhou für chinesische Begriffe eine kleine Stadt.

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Den Himmel findet man in Suzhous Gärten. Die Stadt ist bekannt als Gartenstadt und ganze neun Gärten sind als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet. Diese Gärten sind der Inbegriff natürlicher Schönheit und ganze Landschaften werden hier in Miniatur dargestellt. Ich entscheide mich für zwei der größten Gärten: den Humble Administrator's Garden und den Lingering Garden. Poetisch und malerisch sind Wörter, die mir beim Spaziergang durch diese grünen Oasen sofort in den Sinn kommen. Raffiniert gestaltete Tore bilden herrliche Durchblicke auf wunderschöne Landschaften, während kunstvolle Felsformationen stolz inmitten akribisch konstruierter Pavillons stehen.

Zum Abschluss schlendere ich entlang der vielen Kanäle von Suzhou und durch die historische Pingjiang Lu, eine Straße voller schöner Boutiquen und gemütlicher Cafés. Am Abend katapultiert mich der Bullet Train in nur 20 Minuten ins futuristische Schanghai. Ein größerer Kontrast ist kaum vorstellbar.

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