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Sankt Petersburg

Majestätische Metropole

Erkunden Sie gemeinsam mit dem Journalisten Ivo Weyel Sankt Petersburg, eine märchenhafte Stadt, in der Kunst und Geschichte verehrt werden, engagierte Menschen angesagte Lokale führen und Fabergé-Eier in greifbarer Nähe sind. Nun ja, fast.

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Es gibt Städte, in denen man gern stundenlang in Straßencafés verweilt, ganz gemütlich durch die Gegend spaziert und sich einfach ein paar Tage entspannt. Sankt Petersburg gehört nicht dazu. Theoretisch könnte man das natürlich auch hier machen, aber diese Stadt verdient es, dass man sich mit Haut und Haar auf sie einlässt. Um die vor Kunst und Kultur strotzende Metropole so richtig zu genießen, sollten Sie sich vor Abreise umfassend über sie informieren. Hier gibt es nämlich jede Menge zu entdecken und zu erkunden, sowohl im Hinblick auf das Erlebnispotenzial als auch die Abmessungen der Stadt.

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    Traumhafte Sonnenaufgänge

    Sobald ich mein Hotel, das Grand Hotel Europe, betreten habe, bin ich von der Geschichte Sankt Petersburgs durchdrungen. Das Hotel, das 1875 eröffnet wurde, ist mit seiner wunderschön bewahrt gebliebenen Fassade und den gut erhaltenen Innenräumen der Ort, an dem der Zar einst residierte. Meine Suite ist nach dem Schriftsteller Fjodor Dostojewski (1821-1881) benannt, dessen Werke im Bücherschrank neben der Minibar zu finden sind. Nur wenige Straßen weiter gibt es übrigens ein Museum, das diesem großen Schriftsteller gewidmet ist. Es befindet sich in der Wohnung, die er viele Jahre lang bewohnte. Das L'Europe, das Restaurant des Hotels, bietet seinen Gästen freitags zur Tschaikowsky-Nacht während des Abendessens eine Ballettaufführung.

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    Gute Kinderstube

    Begrüßt werde ich mit einem eiskalten Wodka und einem weich gekochten Ei, auf dem eine großzügige Portion Kaviar glitzert. Das ist die Petersburger Gastfreundlichkeit. Diese Stadt ist etwas ganz anderes als das hektische Moskau, wo Neureiche und eiskalte Businessdeals den Ton angeben. Sankt Petersburg versprüht den mit altem Geld verbundenen Charme einer guten Kinderstube. Die Stadt hat einen Charakter, der sie vom Rest des Landes unterscheidet. Die Menschen sind freundlich und höflich, und dass sie Jahrhunderten voller Kunst und Kultur ausgesetzt sind, macht sie sehr weltoffen – ein Beweis dafür, dass Kunst die Menschen tatsächlich zusammenführt. Die majestätische Newa ist eine breite Wasserstraße mit einer so schnell wirbelnden Strömung, dass es kaum vorstellbar ist, dass sie in den Wintermonaten zugefroren ist. Am Ufer liegen bonbonfarbene Paläste, der eine noch größer als der andere. Der Grund sind die Adelsfamilien, die hier im 18. Jahrhundert residierten.

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    Sankt Petersburg versprüht den mit altem Geld verbundenen Charme einer guten Kinderstube.

    Die Stadt der Brücken

    Die Newa wird überspannt von gigantischen Brücken, die so wundervoll verziert sind, dass sie es zu einem eigenständigen Reiseziel gebracht haben. Besonders nachts zwischen April und November, wenn die Brücken romantisch beleuchtet sind und sich öffnen, um Schiffe auf ihrem Weg zur Wolga passieren zu lassen. Wenn nächtliche Streifzüge nicht so ganz Ihr Ding sind, versuchen Sie dann, bereits im Morgengrauen aufzustehen. Ein Sonnenaufgang am Fluss ist ein wahrlich unvergessliches Erlebnis. Ebenso berühmt sind die Weißen Nächte in Sankt Petersburg, ein Naturphänomen in den höheren Breitengraden, wo die Sonne zur Zeit der Sommersonnenwende nie ganz untergeht. Dieses Wunder wird in der zweiten Junihälfte mit einer Vielzahl von Festen gefeiert, zusammen mit Nachtschwärmern, die dann aus aller Welt in die Stadt strömen.

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    Die Eremitage

    Ein weiterer Schatz Sankt Petersburgs sind die U-Bahn-Stationen. Sie sind so schön, dass sie durchaus Räume in einem Museum sein könnten. In den Tagen Stalins (1878-1953) waren sie bekannt als „die Paläste der Menschen“. Ein Besuch des kathedralenartigen Avtovo-Bahnhofs ist ein absolutes Muss. Ich nehme jetzt die U-Bahn zum wichtigsten Ziel in Sankt Petersburg, der Eremitage. Sie erstreckt sich über sechs historische Gebäude entlang des Palastufers, darunter der Winterpalast des Zaren, und man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass dies ursprünglich keineswegs als ein Ort gedacht war, an dem das gemeine Volk den Tag verbringt. Die Eremitage hat auch im Ausland mehrere Standorte und ist eines der ältesten und größten Museen der Welt. Die riesige Sammlung wurde größtenteils von Katharina der Großen zusammengetragen. Sie war eine große Kunstliebhaberin und tätigte für ihr Leben gern Einkäufe. Zu Reichtum und Macht kam die russische Kaiserin in einer Zeit, in der viele der europäischen Königs- und Adelsfamilien verarmt waren und dringend Geld brauchten. Somit veräußerten sie ihre Kunst- und Antiquitätensammlungen nur zu gerne an die unersättliche Zarin. Später kamen noch weitere Schätze hinzu.

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    Neu Holland

    Am nächsten Tag bringt mich ein Taxi auf die andere Seite der Stadt, in eines der aufstrebenden Viertel, in denen das angesagte Sankt Petersburg floriert. Das Projekt, das den Namen Neu Holland trägt, wurde nach der Werft benannt, auf der seit 1704 niederländische Schiffsbauer beim Bau der russischen Flotte halfen. Beim Bau mehrerer Flotten, um genau zu sein, denn es handelte sich sowohl um Kriegs- als auch Handelsschiffe. Peter der Große brachte diese Schiffsbauer aus den Niederlanden mit und quartierte sie in einer provisorischen niederländischen Enklave ein. Das Areal wurde kürzlich aufgepeppt und erhielt einen weitläufigen und elegant gestalteten Park, in dem eine Vielzahl von renovierten Gebäuden heute Galerien, Theater, Bars und trendige Geschäfte beherbergen.

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    Die Atmosphäre ist lebendig, vor allem am Wochenende. Die vielen Jugendlichen, die in diesen Einrichtungen beschäftigt sind, verraten den Besuchern gerne, wo die angesagten Lokale und Clubs zu finden sind. So lande ich bei Hamlet + Jacks, einem Restaurant in einer kleinen Seitenstraße, das ich selbst wahrscheinlich übersehen hätte. Es erweist sich als ein reizendes modernes Lokal … und ganz egal, was Sie nehmen, ein Siberian venison carpaccio sollte unbedingt dabei sein. Wie ich schon bald feststelle, sind auch die Jugendlichen sehr stolz auf die Geschichte ihrer Stadt. Sie weisen auf die verschiedenen Paläste hin, die heute Museen sind und einst von berühmten Landsleuten bewohnt wurden. „Die Revolution in der bildenden Kunst begann in Sankt Petersburg“, sagt Anna, die im Besucherzentrum von Neu Holland arbeitet. „Denn Malewitsch (1878-1935) stellte hier 1915 erstmals sein legendäres Gemälde Schwarzes Quadrat aus, das den Beginn der abstrakten Kunst markierte.“

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    In der Zaren-Loge eine Ballettvorstellung sehen

    Darüber hinaus rät mir Anna auch dringend, eine Ballett- oder Opernaufführung im aus dem 19. Jahrhundert stammenden Mariinski-Theater zu besuchen. Genau das mache ich an diesem Abend, und zwar sitzend in der kaiserlichen Loge. Ein wundervolles Erlebnis. Nicht nur, weil das Theater noch immer die Pracht vergangener Zeiten ausstrahlt – bei den reich verzierten Decken, Säulen, Sälen und Korridoren kann man sich leicht vorstellen, wie hier einst die prunkvoll gekleidete Adelsgesellschaft flanierte –, sondern auch, weil ich genau dort sitze, wo einst der Zar Platz genommen hat. Das verleiht dem Ganzen eine besondere Note.

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      Barocke Pracht

      Boulevards wie der Newski Prospekt und der Bolschoi Prospekt bieten eine so unglaubliche Menge an Souvenirläden, dass ich mich entschließe, in ein Taxi zu steigen und zum 20 Autominuten vom Stadtzentrum entfernten Smolny-Kloster zu fahren. Das Kloster ist ein Paradebeispiel für den barocken Geschmack Sankt Petersburgs. Mit seiner himmelblauen Fassade in einer Form, die an einen mehrschichtigen Kuchen erinnert, mit den goldenen Kuppeln und den fröhlichen kleinen Gipsengeln, die sich aus den Wänden herauslehnen, ist es so typisch russisch, dass ich nicht umhin kann, mit offenem Mund herumzulaufen. Erbaut wurde das Kloster während der Herrschaft von Elisabeth von Russland (1709-1762), der Tochter von Peter dem Großen, mit dem Ziel, junge adlige Damen über die Freuden eines anständigen und frommen Lebens zu aufzuklären. Elisabeths Nachfolgerin, Katharina die Große, hatte weder für Gottesfurcht und Anstand noch für Barock etwas übrig und die Bautätigkeiten kamen abrupt zum Erliegen. Es sollte noch 100 weitere Jahre dauern, bis der Glockenturm unter Nikolaus I. (1796-1855) fertig gestellt wurde.

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        Matroschka

        Selten habe ich einen so vielschichtigen Ort wie Sankt Petersburg besucht. Der Vergleich mit Matroschkas, den berühmten Hohlpuppen, die sich öffnen und immer kleinere Versionen von sich selbst preisgeben, fällt mir ein. Da sind die Geschichte der Zaren, die unfassbare Kunstgeschichte und Krieg und Frieden. Und da ist die einzigartige Interpretation von allem zusammen, die das moderne Stadtleben prägt. Sankt Petersburg zelebriert die moderne Küche mit einem Schuss Vergangenheit. Coole DJs treten in historischen Palästen auf und die altehrwürdige Kaiserliche Porzellanmanufaktur (gegründet 1744) bringt jetzt avantgardistisches Design auf den Tisch. Respekteinflößend & eigenwillig, das ist Sankt Petersburg.

        Respekteinflößend & eigenwillig, das ist Sankt Petersburg.

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