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Iris van den Broek
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Japans Küche

Die vielen Aromen von OSAKA

Das einst unauffällige Osaka hat sich zu einem angesagten Hotspot von Format entwickelt. In einer Kulisse aus Neon-Tintenfischen, grünen Drachen und einer Nachbildung des Eiffelturms brach iFly-Reporterin Iris van den Broek auf zu einer Erkundungstour durch Japans drittgrößte Stadt.

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Text und Fotografie

Iris van den Broek
#eyeristravels

Ich stehe an einer riesigen Kreuzung in Osaka und an allen Zebrastreifen (vier jeweils an einer Ecke und zwei diagonalen) springen die Ampeln gleichzeitig auf Grün. Ein Meer von Menschen, Radfahrern und Rollern setzt sich in Bewegung und rollt wie eine Woge über den Asphalt. Es ist früher Abend und ich bin auf dem Weg nach Dotonbori. Dieses Viertel ist Osakas schlagendes Herz und ein toller Startpunkt, die Stadt kennen zu lernen. Eine überwältigende Stadt, so stellt sich schon bald heraus, denn die knalligen Farben und grellen Leuchtreklamen strahlen um die Wette und feilschen um meine Aufmerksamkeit. Dotonbori liegt an einem schmalen Kanal, der von einem lokalen Unternehmer angelegt wurde. Mittlerweile hat sich der Stadtteil zu Osakas Ausgeh- und Unterhaltungsviertel entwickelt. Hier gibt es alles, doch der Schwerpunkt liegt beim Essen. Essen, Essen, Essen. Überall ist Essen.

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„Wenn Osaka Japans Küche ist, ist Dotonbori der Herd, auf dem alles zubereitet wird.“

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Japans Küche

Osaka gilt in Japan als „tenka no daidokoro“ (die Küche des Landes). Dieser Spitzname stammt aus der Edo-Zeit, als die Stadt Japans Handelszentrum für Reis war. Der Name ist geblieben und auch heute noch ist Osaka das kulinarische Zentrum des Landes.

Wenn Osaka Japans Küche ist, ist Dotonbori der Herd, auf dem alles zubereitet wird. Noch nie habe ich in einer einzigen Straße so viel Essen gesehen. Doch nicht nur das, auch die Neonreklamen und die gigantischen Drachen, Krebse und Tintenfische, die die Fassaden schmücken, sind ein wirklich faszinierendes Schauspiel. 

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Das japanische Wort kuiadore hatte ich schon mal gehört, aber erst hier verstehe ich seine Bedeutung: sich bankrott essen. Das Wort wird häufig verwendet, um darzulegen, wie obsessiv die Einwohner von Osaka mit Essen umgehen. Die Tokioter geben zu viel Geld für Schuhe aus, die Kyotoer kaufen leidenschaftlich gern Kleidung und in Osaka geht das ganze Geld für Essen drauf, so lautet ein bekannter Witz.

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TENKA NO DAIDOKORO, die Küche des Landes

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Ich bin nicht umsonst in Osaka und somit beschließe ich, mich zum Abschluss in guter kuiadore-Manier einem Grillerlebnis hinzugeben. Osaka ist der Geburtsort von yakiniku, der japanischen Barbecue-Kultur. In einem kleinen Restaurant in einer Seitenstraße bestelle ich eine Schale Kobe-Beef. Dieses japanische Rindfleisch gilt als das beste der Welt und ist sozusagen der Kaviar unter den Steaks. Eine halbe Autostunde von Osaka entfernt leben die Lieferanten dieses unglaublich zarten Gourmet-Fleisches, und zwar in der Region um Kobe. Der Inhaber des Restaurants spricht kein Englisch, aber mit vielen Gesten und vor allem viel Lächeln können wir uns verständigen. Die Gäste bereiten ihr Fleisch auf einem im Tisch angebrachten Grill selbst zu. Das macht Spaß und das Ergebnis ist einfach göttlich. Das Fleisch zergeht nicht nur auf der Zunge, es schmilzt förmlich dahin.

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Nicht Taco, sondern Tako

Das typischste aller Gerichte an den Straßenständen Osakas ist takoyaki: mit Tintenfisch (tako) gefüllte Teigbällchen. Ich reihe mich bei einem gigantischen Tintenfisch in die Warteschlange ein und beobachte fasziniert, wie die Jungs am Backblech in fast unmenschlicher Geschwindigkeit mit einem Spieß Bällchen drehen. Tack, tack, tack und wieder sind einige Hundert Bällchen fertig. Etwas später halte ich ein Schälchen mit sechs dieser Bällchen, Sauce und Frühlingszwiebeln in den Händen. Es ist köstlich! Das Tolle an den kleinen Portionen ist, dass man leicht noch etwas anderes kosten kann, zum Beispiel okonomiyaki. Auch diese Kreuzung aus Pfannkuchen und Omelett gefüllt mit Gemüse, Fleisch und Yamswurzel ist echtes Osaka-Soulfood. Mmh.

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Amerika in Asien

Am nächsten Morgen spaziere ich von meinem Hotel nach Amerikamura, eines der hippsten Viertel von Osaka. Hier ist alles im US-Style aufgebaut: US-Flaggen an den Fassaden, amerikanische Marken in den Schaufenstern und eine große Freiheitsstatue oben auf einem Einkaufszentrum. In den 1970er-Jahren wurden hier leer stehende Gebäude in Läden verwandelt, in denen alle möglichen Import-Produkte aus den USA verkauft werden. Schon bald entwickelte sich das Viertel zu Amerikamura oder Amemura, wie die Einheimischen diesen von Stars und Stripes dominierten Bezirk nennen.

Amemura ist auch ein Ort, wo sich die Jugend von Osaka gern trifft. Wer avantgardistische und ausgefallene Jugendmode sucht, ist hier an der richtigen Adresse. Ich setze mich im Triangle Park, dem Epizentrum von Amemura, auf eine Bank und beobachte den an mir vorbeiziehenden und nimmer versiegenden Fluss an Styles: rosa gefärbte Haare, Petticoats, Punk, Jungen in Army-Klamotten mit blonden Spikes, Mädchen in Dienstmädchenkleidern, aber dann auf Japanisch. 

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Zugegeben: Die Straßen sind etwas schmuddeliger als ich es von Japan gewohnt bin, aber das macht auch den Reiz dieser Gegend aus. Shinsekai bedeutet übrigens „Neue Welt“. Gebaut wurde das Viertel im Jahr 1912. Der Gestaltung der nördlichen Hälfte diente der Grundriss von Paris als Vorlage, bei der südlichen Hälfte orientierte man sich an Coney Island in New York. Hier findet sich auch der Vergnügungspark Luna Park, komplett mit einem eiffelturmähnlichen Bauwerk: dem Tsutenkaku-Turm. Im Jahr 1923 schloss der Park seine Pforten und Shinsekai geriet in Verfall. Doch heute ist das Viertel wieder eine echte Attraktion, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte! 

Osakas Vergnügungsviertel: Shinsekai

Noch ein ausgesprochen typisches Viertel in Osaka ist Shinsekai. Vor Shinsekai hatte man mich gewarnt, dies sei eine der gefährlichsten Gegenden Japans. Gefährlich für japanische Begriffe, das mag allerdings sein. In der Tat sehe ich hier zum ersten Mal in Japan einen Obdachlosen. Dass dieser mich in perfektem Englisch mit „How are you?“ begrüßt sorgt allerdings dafür, dass ich ein Lächeln nicht unterdrücken kann. Ja, es ist hier wirklich sehr gefährlich. 

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Shinsekai bedeutet „Neue Welt“

Elefant in Rosa

Als ich von der U-Bahn durch eine überdachte Gasse zum Zentrum von Shinsekai spaziere, fühle ich mich sofort wie auf der Kirmes. Links von mir versucht eine Gruppe japanischer Männer an einem Schießstand einen rosafarbenen Elefanten zu gewinnen. Zu meiner Rechten wird in einer riesigen Halle an Dutzenden Tischen mit großer Begeisterung ein mir unbekanntes Brettspiel gespielt. Ein faszinierender Anblick. Dann höre ich hinter mir Hurrageschrei: die Männer haben ihren Elefanten gewonnen und halten ihn freudestrahlend in die Höhe. Dann sehen sie mich; ob ich den Elefanten vielleicht haben will? Niemand spricht Englisch, aber heftig gestikulierend haben wir großen Spaß und ein paar Minuten später bin ich die stolze Besitzerin eines rosafarbenen Elefanten. Arigatō!

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Natürlich will ich unbedingt hinauf auf die Hauptattraktion von Shinsekai: den Tsutenkaku-Turm, den man hier von jedem Winkel aus sehen kann. Er bietet einen fantastischen Blick auf Osaka. Die Einrichtung ist nostalgisch und die ausgestellten Modelle zeigen die ehemaligen Reize von Shinsekai.

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Essen am Spieß

Shinsekai hat noch immer das Flair des Vergnügungsparks, der es einmal war. In den Straßen schmettert so etwas wie fröhliche Cartoon-Musik aus den Lautsprechern und die grellen Farben an den Fassaden bringen meine Augen an ihre Grenzen. Auch in Shinsekai kann man die „Küche des Landes“ genießen. Hier gibt es zum Beispiel mehrere Fugu-Restaurants; Fugu ist der berühmte giftige Kugelfisch, den man nur ohne Gefahr essen kann, wenn er von einem speziell ausgebildeten Koch zubereitet wurde. Doch die wirklich typische Shinsekai-Delikatesse ist kushikatsu: auf Spieße gesteckte Fleisch-, Fisch- und Gemüsestückchen, die erst paniert und dann frittiert werden. Dazu gibt es eine große Kanne mit einem Dip. Aufgepasst: weil die Kanne von Tisch zu Tisch wandert, ist doppelt dippen strengstens verboten!

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„Dieser Ort wird von vielen Japanern im Januar aufgesucht für den hatsumode, den ersten Tempelbesuch des Jahres.“

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Oase der Ruhe

Osaka ist mehr als nur ein wirbelnder Strudel aus Farben und Hektik, denn überall in der Stadt gibt es Tempel, wo man das authentische Japan erleben kann. Eine kurze Zugfahrt bringt mich zu einem der schönsten Tempel von Osaka, der etwas südlich von Shinsekai liegt: dem ca. 400 Jahre alten Sumiyoshi-Taisha-Schrein. Obwohl er das ganze Jahr über sehr beliebt ist, wird dieser Ort von vielen Japanern im Januar aufgesucht für den hatsumode, den ersten Tempelbesuch des Jahres. 

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Als ankomme, sehe ich, dass dort etwas Festliches vor sich geht, denn Dutzende von Familien laufen über das Tempelgelände. Die Frauen in prächtigen Kimonos, die Männer im Anzug und die Kinder in Tracht. Alle werden vor der berühmten roten, 4,5 m hohen Taiko-Bashi-Brücke fotografiert. Ein Spaziergang über die Brücke reinigt die Seele vor dem Betreten des heiligen Geländes von allen Sünden. Ich versuche mehrmals in Erfahrung zu bringen, was es mit der Festlichkeit auf sich hat; leider erfolglos, denn die freundlichen Menschen sprechen kein Wort Englisch. Es ist aber auch nicht weiter wichtig, denn egal, was es ist, es ist fantastisch anzusehen. Die Atmosphäre hier ist herrlich ruhig und ich genieße die wunderschöne Umgebung. Ja, auch das ist Osaka. 

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Zurück in der City

Ich nehme den Zug zurück ins Zentrum und komme im riesigen Namba-Bahnhof an. Die städtische Hektik hat mich wieder. Der Abend fällt und mein Osaka-Abenteuer ist fast schon wieder Geschichte. Osaka steht oft im Schatten von Tokio und dem nahe gelegenen Kyoto, aber alle, die eine Reise durch Japan machen, sollten diese tolle und eigenwillige Stadt unbedingt besuchen.

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KLM

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April 2017

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